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Jiu-Jitsu ist ein japanisches Selbstverteidigungssystem, das die Samurai sich zu Eigen gemacht hatten, um jeden Kampf, ob mit oder ohne Waffen, für sich zu entscheiden. Bei intensivem und regelmäßigem Training gelingt es dem Übenden, sein Selbstbewusstsein und seine innere Haltung so zu stärken, dass ein potenzieller Angreifer schon im Vorfeld eines Angriffs davon Abstand nimmt, denn - „jeder nicht stattgefundene Kampf ist ein gewonnener Kampf”. Die „sanfte Kunst der Selbstverteidigung” zu lernen, heißt die Kraft des Angreifers so mit der eigenen zu kombinieren, dass der Angriff sauber und schnell abgewehrt wird. So tauschen wir immer im Training die Rolle des Abwehrenden mit der des Angreifers, um besser die Sicht des Anderen zu begreifen. Hinzu kommt das Koordinationstraining, das so nötig ist, um die Schwachpunkte des Partners rechtzeitig zu erkennen und auszunutzen. Geduld mit sich selbst sowie Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Anderen auf der Matte – man muss mit jedem üben können - lernen wir im Lauf der Zeit im Dojo (Übungshalle). Fließende Bewegungen ergänzen „harte Techniken”, so dass kein Augenblick der Blöße, der über Siegen oder Verlieren entscheiden würde, entstehen kann. Angst soll überwunden werden, indem intuitiv und ruhig die wirksame, für jeden Einzelnen bestmögliche Technik (Bewegungsfolge) als Reaktion auf die erkannte Gefahr angewandt wird. Je nach Anatomie (ob klein, groß oder dick) des Übenden und Anforderung der
gegenwärtigen Situation –wir bilden z.B. am Ende der Stunde einen
„Überraschungskreis” mit allen möglichen Angriffen-, sollte die
Technikbeherrschung unsere charakterliche, innere Haltung stärken. In kurzer Zeit werden viele oft ungeahnte Kräfte entdeckt und Techniken gelernt. „Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nutzen.” Aufwärmübungen eröffnen immer die Übungsstunde. Bodenkampf und Yoga-sitzen schließen sie oft ab, zum größten Vergnügen und bester Entspannung Vieler. Gelehrt werden Würfe, Konterwürfe, Fallübungen, Kombinationstechniken, richtig stehen und Gleichgewicht halten, Griffe, Schwitzkastenangriffe, Reversfassen sowie Schlag-, Tritt- und Hebeltechniken auch als Eigenschutz in der Abwehr. Durch Selbstkontrolle lernt man auch, wie weit die Techniken gehen dürfen und ab wann Schmerzen zugefügt werden. Durch Selbstdisziplin und Einhalten der Regeln lernen die Jugendlichen, sich in eine Gemeinschaft besser einzufühlen und einzufügen. Erst dann kann man den Weg des Jiu-Jitsu begehen (Budo), denn dies ist mehr als Sport, es stärkt Geist und Körper zugleich und fördert die eigene Selbstsicherheit und den Respekt gegenüber seinem Übungspartner. Das Erlebnis eines Lehrgangs bringt uns immer ein Stück mit einander weiter. Dort kann man sich austauschen und andere Lehrmeister (Sensei) kennen lernen. Schon ab dem 7. Lebensjahr werden Kinder in die Jiu-Jitsu-Kunst eingewiesen, besser gesagt eingespielt. Fairplay zeichnet sich hier als einmalige Erziehungsmethode aus. Die Gürtelprüfungen sollen nicht nur Gradmesser sein, sondern vor allem motivieren. Diese Erfindung der westlichen Welt kennen z.B. die Asiaten nicht, denn sie üben Jiu- Jitsu, bis sie den Grad des Meisters erreichen (also Schwarzgurt) und ihr Leistungsstand dann erst „abgenommen” wird. Unser Übungsleiter, Achim Wiemer (3. Dan) ist das ständige Vorbild. Er zeigt den Schülern ihre Grenzen auf und unterstützt jeden Einzelnen darin, sein individuelles Potenzial auszuschöpfen. Da der Weg das Ziel ist, kümmert er sich um jeden Schüler, und nicht selten sind die „Begabtesten” am Ende nicht mehr dabei! Denn gerade die Charakterschulung ist eine wesentliche Voraussetzung für höhere Graduierungen. Somit werden auch die sozialen Kompetenzen gefördert. Eine gewisse Leistung gehört zu jedem Sport! Wobei es nicht das Ziel ist, hier Leistungssport zu betreiben. Vielmehr geht es darum, die individuellen Stärken des Einzelnen zu entdecken und zu fördern. So können die Schüler nach jedem neu bestandenen Gurt stolz auf die erbrachte Leistung sein und, wenn sie regelmäßig und mit ganzer Motivation auf der Matte üben, werden sie auch weiterhin erfolgreich ihren Weg beschreiten. Denn wie es im Kodex der Samurai steht: „Was du auch tust, tue es von Herzen”
Die geschichtliche Entwicklung des Jiu Jitsu |