Am Samstag, den 2. Juli 2011, fuhren sechs Jiu-Jitsuka unsere Abteilung früh morgens um 7:15 Uhr nach Walldorf, um den verbandsoffenen Budoevent 2011 „one day - one mission“, der für 500 Teilnehmer ausgeschrieben wurde, zu besuchen.
Dies war das erste Mal, dass unsere Abteilung an einem Lehrgang teilnahm, der von einem anderen Verband, dem Deutschen Ju-Jutsu Verband, ausgerichtet wurde. Entsprechend neugierig waren wir darauf, was uns erwartete.
In sechs Einheiten von jeweils 65 Minuten wurde uns die Gelegenheit gegeben, das Training bei folgenden Referenten durchzuführen:
Alain Sailly, 8. Dan Goshindo (World Kobudo)
Frank Wieneke, 7. Dan Judo, Olympiasieger 1984, ehem. Judo Bundestrainer
Bernd Hillebrand, 7. Dan Ju-Jutsu, JJ-Lehrer, ehem. Techn. Direktor DJJV
Achim Hanke, 7. Dan Ju-Jutsu, JJ-Lehrerlizenz, Lehrreferent JJVB
Artur Allerborn, 7. Dan Kickboxen, Diplomtrainer
Jörn Meiners, 5. Dan JJ, Dipl. Trainer, World Games Sieger & Weltmeister
Andy Güttner, 5. Dan Ju-Jutsu-Do, Dipl. Sportlehrer, Lehrteam JJVB
Michael Korn, 6. Dan JJ Vizepräsident
Matthias Huber, 3. Dan JJ, Sportlehrer, Weltmeister & World Games Sieger
Anders als in den bisherigen Lehrgängen gab es diesmal keine Unterteilung in Gürtelfarben und jeder konnte die Trainingseinheiten besuchen, die ihn interessierten. Bis auf das erste Training, bei dem zwei von uns zum Kickboxen bei Artur Allerborn gingen, wurden die übrigen Einheiten von uns geschlossen besucht.
Im ersten Training bei Alain Sailly, Goshindo, lernten wir schrittweise eine Schlagabwehr, die in wechselseitiger Abwehr und Angriff bis in die Bodenlage führte und dort mit Würgen des Gegners endete.
In der zweiten Einheit beeindruckte uns Bernd Hillebrand mit unglaublicher Schnelligkeit. Hier studierten wir nach anfänglichem Pratzentraining eine schnelle Abwehr und anschließende Schlagkombination ein, die der Gegner auf verschiedene Weise blockte, bis er in die (gleiche) Abwehr übergehen konnte, so dass in der Folge die Rollen von Uke und Tori getauscht wurden. An verschiedenen Stellen der Abwehr oder des Angriffs sollten dann Techniken eingebaut werden, um den Gegner auf unterschiedliche Weise zu Boden zu führen.
Nach der Mittagspause nahmen wir bei Jörn Meiners an einer Einheit über Ju-Jutsu-Fighting teil, einer Wettkampfform, die von unserem nationalen Verband nicht gepflegt wird, jedoch im übergeordneten Weltverband UNJJ in ähnlicher Form vorhanden ist. Hierbei treten zwei Ju Jutsuka in einem Vergleichswettkampf gegeneinander an, in dem neben Würfe und Bodentechniken auch Tritte und Schläge erlaubt sind. Durch Regeln und Schutzmaßnahmen wird der Kampf jedoch entschärft. So sind Fuß-, Schienbein-, Zahn- und Tiefschutz Pflicht und gerade gestoßene Schläge oder Tritte zum Kopf sind u.a. verboten. Das Reversfassen zum Wurfansatz verbietet das weitere Schlagen oder Treten. Treffer zum Kopf und Körper sowie Würfe und Festhaltetechniken werden gepunktet, die Aufgabe des Gegners z.B. durch Hebel oder Würgen führt zum Sieg. Hier lernten wir eine einfache aber effektive Tritt-Schlag-Kombination, mit der man mehrere Treffer beim Gegner landen konnte und anschließend in den Wurfansatz Uchi-Mata gelangte, der - sollte er nicht ausgeführt werden können - abgelöst von einer weiteren Technik den Gegner doch zu Fall bringen soll.
Bei Achim Hanke folgte dann ein Ju-Jutsu Kombinationstraining. Uns wurde gezeigt wie man einen Angreifer schnell in die Bodenlage führen kann und u.a. in eine Beinschere bringt. Ebenso wurde gelehrt, wie dann verschiedene Befreiungsversuche des Gegners gekontert werden, um ihn weiterhin kontrollieren zu können.
Beim Judo Olympia-Sieger '84, Frank Wieneke, lernten wir danach "Weltmeisterliches Würgen". Nach kurzer Erläuterung einer Würgetechnik wurde uns beigebracht, mit welcher Technikreihenfolge wir im Wettkampf einen Gegner, der sich in der Bankposition befindet, in diesen Würgegriff bekommen können. Zum Schluss sollte dann jeder versuchen, sich aus dem Würgegriff seines Partners zu befreien, was - wenn der Griff richtig angewandt wurde - unmöglich war. Um die Schritte in den Eingang des Griffs besser zu erlernen, wurde ein stufenweises Training empfohlen, bei dem man sich zu Beginn des Übungskampfes von der Endposition des Würgegriffs immer einen Schritt entfernt, bis letztlich das Randori aus der Bankposition beginnt.
Danach folgte bei Jörn Meiners eine weitere Einheit mit Bodentechniken. Gezeigt wurden uns drei Möglichkeiten einen Gegner aus der Bankposition in eine Festhaltetechnik zu führen, sowie Befreiungsmöglichkeiten aus der Beinklammer und Guard-Position, um anschließend den Gegner wieder zu kontrollieren oder durch Beinhebel zur Aufgabe zu zwingen. Dabei versuchten wir diese Techniken mit unterschiedlicher Gegenwehr des Partners auszuführen und als Uke uns aus der Festhaltetechnik zu befreien.
Nach diesen sechs Einheiten waren wir alle ziemlich erschöpft und machten uns nach einer kurzen Stärkung beim Schweden auf den Heimweg.
Als Fazit stellen wir fest, dass uns wieder viele neue Anregungen gegeben wurden und dieser Lehrgang sehr wettkampforientiert ausgelegt war. Für diejenigen, die im kommenden Jahr an der Meisterschaft teilnehmen möchten, war deswegen vieles aus dem Bereich der Bodentechniken sehr gewinnbringend. Darüber hinaus bietet uns der Ju Jutsu Verband aufgrund seiner Größe die Möglichkeit, auch verbandsoffene Lehrgänge innerhalb der Region zu besuchen. Der Blick über den Tellerrand hat sich somit für uns sehr gelohnt.
M. Hoffmann